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Clausthal-Zellerfeld_50_01

INFORMATIONSBROSCHÜRE 11 Dammes wird anhand einer Zeichnung und eines originalen Striegel- zapfens die Funktion des Teiches mit dem Striegelhäuschen erläutert. Sicher wird Ihr Blick vom Damm aus gleich von einer faszinierenden Konstruktion angezogen worden sein, dem historisch getreuen Nachbau eines Kunstgezeugs mit Kunstrad, Feldgestänge und Hubsatz. Hier wird auf sehr anschauliche Weise die Funktion einer ingenieurtechnischen Anlage gezeigt, wie sie in großer Zahl über Jahrhunderte bis in das 20. Jahrhundert im Oberharz in Betrieb gewesen sind. Unter Ausnutzung der Wasserkraft wurde Energie gewonnen, die mit Hilfe eines Feldgestänges über weite Strecken über- tragen und zum Antrieb von Pumpen, Fahrkunst und Förderung in den Schächten genutzt wurde. Die in ihrer Art einmalige Anlage lockt viele Besucher an und wird anhand von Tafeln ausführlich erläutert. In Sichtweite liegt westwärts das Ringer Zechenhaus. Ursprünglich waren die Zechenhäuser Einrichtungen der Anteilseigner einer Grube, also eine Art Verwaltungsgebäude einer Zeche. Nach Übernahme der Verwaltung durch zentrale Bergämter blieben ihnen noch Aufgaben der Regelung des Betriebes einer in der Nähe befindlichen Grube, und schließlich entwickelten sie sich zu Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, in denen sich die Berg- leute am Montagmorgen vor Einfahrt in die Grube auch zu einem gemeinsamen Gebet versammelten. Der im Zechenhaus wohnende Hutmann hatte das Privileg des Ausschanks, woraus sich die Tradition vieler Zechenhäuser als „Wirtschaft“ entwickelt hat. Auf dem Wege nach Wildemann Am Ringer Graben entlang geht unser Streifzug weiter in Richtung „Schreibfeder Halde“ gegenüber von einem Abenteuerspielplatz. Auf dieser für einige Jahre als Waldfest-Platz dienenden Halde finden Sie einen Lochstein aus dem Jahre 1751, einen marktscheiderischen Vermessungspunkt für ein Grubenfeld, über dessen Bedeutung im einzelnen eine Tafel informiert, und eine Erinnerungstafel an den Brand in der Grube Regenbogen im Jahre 1848. Von hier aus gehen Sie an der Radstube für die seit 1561 betriebene Grube „Jungfrau“ vorbei zum Mittleren Zechenteich, erbaut vor 1672 und zum Oberen Zechenteich, erbaut vor 1680. Wir bewegen uns dabei auf dem großen Erzgang des Zellerfelder Hauptzuges und es ist daher nicht verwunderlich, dass unseren gesamten Weg bis zur Bergstadt Wildemann immer wieder Zeugen des historischen Bergbaus begleiten, auf die Tafeln in Form einer stilisierten Tanne, aufgestellt vom Oberharzer Geschichts- und Museumsverein, hinweisen. Nach dem Mittleren Zechenteich können wir entweder geradeaus den Weg nach Wildemann wählen oder den Wanderweg am Wasserläufer Teich vorbei ins Spiegeltal bis zum weithin bekannten ehemaligen Spiegeltaler Zechenhaus, dessen Bestehen in der frühesten Zeit des Bergbaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachgewiesen ist. Im Spiegelthals Hoffnunger Richtschacht, dem dieses Zechenhaus u.a. diente, ist 1833 der erste erfolgreiche Versuch mit der Fahrkunst unternommen worden. Den Abschluss unseres Streifzuges von Zellerfeld nach Wildemann bildet ein Besuch einer historischen Bergwerksanlage. Es ist der berühmte 19-Lachter-Stollen in Wildemann, ein Wasserlösungsstollen von 8.800 m Länge, an dem mit Unterbrechungen von 1551 bis 1690 gebaut worden ist. Wasserlösungsstollen stellen großartige bergmännische und ingenieurtechnische Leistungen dar. Sie dienten, nachdem die Schächte immer tiefer wurden, dazu, das am Grunde der Schächte sich ansammelnde Wasser auf einem noch tieferen Niveau unter Tage bis an den Harzrand abzuführen, um so die Gruben vor dem Absaufen zu bewahren. Im 19-Lachter-Stollen, der auch der Erzförderung diente, können Sie heute eine Strecke von etwa 370 m befahren. Staunend und mit Respekt vor der bergmännischen Leistung erlebt jeder Besucher die Befahrung dieser Bergwerks- anlage, bei der ein Kehrrad von 9 (!) m Durchmesser und 2 m Breite nur eine der vielen Attraktionen ist. Die Berg- und Universitätsstadt Clausthal- Zellerfeld hofft, Ihnen mit dem Streifzug einige Tipps gegeben zu haben, die Sie zu interessanten Punkten unserer Stadt und der Region führen sollten, wobei Sie natürlich selbst entscheiden können, ob Sie die Punkte im Rahmen einer größeren Wanderung oder auf mehreren kleineren Spaziergängen ansteuern wollen.


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