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10 Die bergbau- und kulturkundliche Sammlung Die Exponate in den 26 Schauräumen des Hauptgebäudes zeugen von dem kulturellen Reichtum und der Eigenständigkeit dieser frühen „Industrielandschaft“ Oberharz und runden damit den Museumsbesuch ab. Umfangreiche Sammlungen von Münzen, in den Oberharzer Münzstätten geprägt, Mineralien, Grubenlampen und anderen bergmännischen Ausrüstungsgegenständen, Ehrenzeichen und Uniformen, Möbel und Geschirr runden das Bild einer Bevölkerung ab, deren alleinige Lebensgrundlage der Bergbau war. In einem Medienraum können Sie ständig alte Bergbaufilme sehen. Zum Oberharzer Bergwerksmuseum gehören auch der unter Denkmalschutz stehende Ottiliae-Schacht mit dem ältesten noch erhaltenen stählernen Fördergerüst Mitteleuropas aus dem Jahre 1876, ein Technikdenkmal von nationaler Bedeutung, und Teile der übertägigen Anlagen des Schachtes Kaiser Wilhelm II mit dem zweitältesten Schachtgerüst. Für die Erforschung des historischen Bergbaus von Bedeutung ist ferner die „Harzbibliothek“ des Museums mit ihrem Bestand von etwa 5.000 Bänden vorwiegend bergbaukundlicher Literatur. Im Zentrum Zellerfeld Die historische Zellerfelder Bergapotheke auf der anderen Seite der Goslarschen Straße ist unsere nächste Station. Bereits 1576 mit Privileg des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel gegründet, befindet sie sich heute in dem nach dem großen Brand von 1672 im Jahr 1674 errichteten barocken Gebäude. An der Haupt-, Zwerchhaus- und Giebelfassade sind 66 holzgeschnitzte farbige menschliche Gesichter angebracht, die wegen ihres fratzenhaften Ausdrucks im Volksmund zur Bezeichnung „Fratzenapotheke“ geführt haben. Kunsthistorisch bemerkenswert ist die Innenausstattung der Räume mit prachtvollen Kaminen und Stuckdecken mit allegorischen Darstellungen. Dem großen Brand von 1672 fiel auch die alte evangelische Pfarrkirche zum Opfer. Daher wurde 1675 der Grundstein zur 1683 vollendeten Pfarrkirche St. Salvatoris gelegt, die sich in die strenge Symmetrie der neuen barocken Stadtanlage mit klaren Planquadraten und breiten Straßenzügen einfügen musste. Die ursprünglich einschiffige Saalkirche mit einem noch erhaltenen imposanten Holztonnengewölbe erfuhr nach 1863 einen Umbau zu einer dreischiffigen Hallenkirche mit neugotischem Kreuzrippengewölbe. Eine international beachtete Attraktion ist der im Jahre 1997 geweihte Altar des Malers Werner Tübke. Gegenüber von St. Salvatoris, auf der anderen Seite des Thomas-Merten-Platzes am Postgebäude, erfreut ein Glockenspiel mit bergmännischen Liedern unser Ohr, und gleichzeitig wird an einem beweglichen Modell die Funktion der 1833 im Oberharz erfundenen Fahrkunst demonstriert. Spenden von Clausthal-Zellerfelder Bürger und Institutionen ermöglichten 1987 und 1988 den Bau dieser Besucherattraktionen. Wir verlassen den Thomas-Merten-Platz und stehen nach einem kurzen Gang auf der Bornhardtstraße an der Kreuzung mit der Bergstraße vor dem Dietzelhaus, erbaut 1673/74 von Oberbergmeister Daniel Flach. Das Haus zeigt mit seinen reichen Stuckdecken die baugeschichtliche Nähe zur Bergapotheke. Im Rahmen der aufwendigen Restaurierung dieses Hauses im Jahre 1984 ist auch die ungewöhnliche, aus Mineralien bestehende Supraporte wieder hergestellt worden, die besondere Beachtung verdient. Nur wenige Schritte sind es vom Dietzelhaus auf der Bornhardtstraße bis zum ehrwürdigen Gebäude der alten Zellerfelder Münze. Von der gesamten, um einen rechteckigen Innenhof gruppierten Anlage, ist das in seiner ursprünglichen Form 1673/74 aus Bruchsteinmauerwerk errichtete und bis heute so erhaltene Glüh-, Schmelz- und Gießhaus bemerkenswert. Bergbau und Münzprägung sind im Oberharz nicht voneinander zu trennen, und gleichzeitig verband sich mit der Technik der Münzstätten auch ein hoher künstlerischer Anspruch an die Graveure und Münzmeister, wie die Münzsammlung im Bergwerksmuseum zeigt. Nach der Restaurierung der Gebäude ist in dem gesamten Komplex ein Kunsthandwerkerhof eingerichtet worden. Einen Besuch der Werkstätten (Glasbläserei, Glasspielerei) und den Besuch der Brauakademie, in der Sie auch das Bierbrauen lernen können, sollten Sie nicht versäumen. Unser Weg führt uns vom Kunsthandwerkerhof nach Überquerung der Schützenstraße in den Waldkurpark von Zellerfeld, in dessen tiefem Taleinschnitt uns der 1673 erbaute Carler Teich, ein Kunstteich, wieder an den historischen Harzer Bergbau erinnert. Auf der Krone seines


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